Nächste Gottesdienste
Unser Kirchenblatt
Im Kirchenblatt der römisch-katholischen Pfarreien im Kanton Solothurn können Sie aktuelle Informationen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen, Impulse und Gedanken nachlesen.
Leitartikel vom 22. Februar bis 7. März
Einander tragen – gemeinsam in Gott verbunden
Heute möchte ich über unsere Pfarreigemeinschaft nachdenken. Dabei kommen mir die Menschen in den Sinn, die unsere Gemeinde viele Jahre im Stillen mit ihrem Glauben, ihren Gebeten und ihrer Hilfsbereitschaft getragen haben. Vieles von dem, was wir heute erleben dürfen, ist gewachsen, weil jemand ein offenes Ohr hatte, Zeit verschenkte oder seine Kraft eingesetzt hat.
Ich erinnere mich dabei an eine besondere Begegnung mit einer 85-jährigen Frau, die seit vielen Jahren täglich den Rosenkranz betet. Sie ist überzeugt, dass durch dieses Gebet die göttliche und die kirchliche Gemeinschaft miteinander verbunden bleiben. Auch heute noch betet sie zu Hause – oft allein, vom Bett aus oder gestützt auf ihren Rollator – und trägt auf diese stille Weise die Gemeinschaft mit.
Solche Beispiele zeigen, wie viel Kraft in einfachen, treuen Gesten steckt. Gerade in einer Zeit, in der vieles unsicher erscheint und sich die Welt schnell verändert, spüren wir, wie wichtig der Zusammenhalt ist. Gemeinschaft entsteht nicht durch grosse Taten allein, sondern durch kleine Zeichen der Liebe, der Treue und des Beistands. Und viele von Ihnen haben genau das über ein ganzes Leben hinweg gezeigt.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine Gemeinschaft weiterhin gestärkt werden kann: Welche Werte tragen sie? Welche Haltung führt Menschen zusammen? Und wie kann das, was in unserer Gemeinde schon lange Bestand hat, in die Zukunft weitergegeben werden?
Wenn wir aufmerksam betrachten, wie Jesus gehandelt hat, entdecken wir, welche Kräfte eine Gemeinschaft tragen und verbinden. Er hat Menschen nicht nur gelehrt, sondern sie in eine Gemeinschaft hineingeführt, die von Vertrauen und Nähe geprägt war. Seine Jünger waren nicht perfekt, und doch hat er sie angenommen, begleitet und miteinander verbunden.
In dieser Gruppe wurde täglich sichtbar, was Gemeinschaft bedeuten kann: miteinander unterwegs sein, miteinander essen, gemeinsam beten und aufeinander hören. Jesus hat ihnen gezeigt, dass Gemeinschaft dort entsteht, wo Menschen einander tragen, miteinander teilen und ein offenes Herz füreinander bewahren. Ihre Stärke lag nicht in äusseren Dingen, sondern im Mut, miteinander verbunden zu bleiben – auch in schwierigen Zeiten.
Diese Gemeinschaft Jesu ist ein Bild, das auch heute Orientierung geben kann. Sie erinnert uns daran, dass Gemeinschaft nicht durch grosse Worte wächst, sondern durch Treue im Kleinen: durch ein freundliches Wort, ein stilles Gebet, einen Besuch oder einfach dadurch, dass wir jemanden nicht vergessen.
Ergänzend erinnert uns Jesus an die Liebe zu Gott und an die Liebe zum Nächsten. Diese Formen der Liebe gehören zusammen und können nicht voneinander getrennt werden. Gott selbst verbindet diese beiden Lieben miteinander und schafft daraus eine Gemeinschaft, die in ihm gegründet ist und durch seine Liebe getragen wird.
So wie die Jünger einander stützten, dürfen auch wir einander beistehen und das weitertragen, was Jesus uns vorgelebt hat.
Roy Jelahu, Vikar