Nächste Gottesdienste
Unser Kirchenblatt
Im Kirchenblatt der römisch-katholischen Pfarreien im Kanton Solothurn können Sie aktuelle Informationen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen, Impulse und Gedanken nachlesen.
Leitartikel vom 26. Juli bis 22. August
Unser Label – das Kreuz
Das Marketing lebt von grafischen Elementen wie Logos und Design. Sie geben der Marke eine strategische und emotionale Ausrichtung, eine öffentliche Erkennbarkeit, ein sogenanntes Label, das die Identität des Unternehmens sichtbar macht.
Ein Label kennen wir Christinnen und Christen seit Jahrhunderten: das Kreuz! Es verbindet uns emotional mit Gott und macht uns nach aussen erkenntlich. Wenn wir das Kreuz tragen, uns bekreuzigen oder das Kreuz öffentlich zeigen, drücken wir unseren Glauben und unser Vertrauen auf Gott in Jesus Christus aus. Das geschieht heute wieder vermehrt und vielleicht bewusster als früher.
Ich denke an Lionel Messi, der sich an der vergangenen Fussball-Weltmeisterschaft nach jedem seiner zahlreichen Tore bekreuzigt hat. Als bekennender Katholik trägt der dreifache Familienvater auch ein Tattoo von Jesus Christus am Oberarm.
Ich denke an die Schweizerfahne, das weisse Kreuz auf rotem Grund. Hunderte von Jugendlichen tragen es unbefangen als T-Shirt, Mütze oder Fähnchen, wenn es um Sport geht. Als kulturelles Symbol bildet das Schweizerkreuz die Zusammengehörigkeit unserer vier Landesteile und Landessprachen ab. Als christliches Symbol zeigt es die Werte an, auf deren Grundlage unsere Nation und Gesellschaft, unsere Bildung und Kultur seit Jahrhunderten leben und florieren.
Ich denke an die viel beschworene Säkularisierung unserer Gesellschaft, die allerdings nachweislich kein Abschied von Religion und ihren Zeichen bedeutet, sondern neue Formen von spiritueller Suche und Praxis hervorbringt. Es gibt gerade unter Jugendlichen eine «Sehnsucht nach Tradition und Transzendenz», wie neulich die NZZ einen Artikel titelte. Gerade das Kreuz ist für Jugendliche interessant, weil es Identität schafft und anzeigt, wofür jemand steht, weil es verbindet zur Gemeinschaft mit anderen und weil es Vertrauen in die Zukunft vermittelt.
Seit einigen Wochen steht das ursprüngliche Altarkreuz wieder im Hochaltar der St.-Ursen-Kathedrale. Es ist in Basel aufgefunden und restauriert worden. Darin sehe ich eine Einladung an uns alle, das Kreuz in Ehren zu halten und uns nach seinen Werten wie Hingabe, Solidarität, Vertrauen, Trost und Liebe auszurichten. Und dies im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Thomas Ruckstuhl, Leitender Priester