Nächste Gottesdienste
Unser Kirchenblatt
Im Kirchenblatt der römisch-katholischen Pfarreien im Kanton Solothurn können Sie aktuelle Informationen zu Gottesdiensten und Veranstaltungen, Impulse und Gedanken nachlesen.
Leitartikel vom 22. März bis 13. April
Im Garten Getsemani
Nun geht die Fastenzeit bereits wieder zu Ende und wir dürfen die österliche Freude erwarten. Bevor wir jedoch die Auferstehung feiern, erinnern wir uns am Hohen Donnerstag noch einmal an das Letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat, sowie an das Leiden, das er in der Passion am Karfreitag erleben musste. Zwischen diesen beiden Ereignissen, dem Letzten Abendmahl und der Passionserzählung, liegt ein Geschehen, das Jesus ganz menschlich und nahbar erscheinen lässt: die Erzählung von seinem Gebet in Getsemani.
Das Wort Getsemani gibt den Hinweis auf einen Ölbaumhain. Heute wird der Garten neben der «Kirche aller Nationen» als Garten Getsemani bezeichnet. Darin stehen uralte Olivenbäume. Das genaue Alter kann an den lebenden Bäumen nicht bestimmt werden und ob dies der Ort war, an dem Jesus war, ist nicht belegbar. Dieser Ort und diese uralten Bäume wecken aber unsere Fantasie. Ob es in Getsemani zur Zeit von Jesus auch schon so alte, knorrige Bäume gab oder ob es junge Bäume waren, die die ersten Früchte trugen? – Für die Evangelisten ist die Landschaft von Getsemani sekundär, denn jede Leserin und jeder Leser kann sich von diesem Ort ein eigenes Bild machen. Für die Evangelisten sind die Gefühle und Worte von Jesus relevant. Durch diese Gefühle und Worte wird Jesus als Mensch greifbar. Der Gottessohn wird in seiner Menschlichkeit aus Fleisch und Blut, mit Angst und Traurigkeit erfahrbar. In der Furcht fordert Jesus die Jünger, die ihn begleiten, auf: «Bleibet hier und wacht mit mir.» Doch die Jünger, die ihrem Lehrer folgen, schlafen immer wieder ein und so werden nur die Leser Zeuge der Gebete von Jesus. In seinem Gebet kommt zuerst die Hoffnung auf, dass das Leiden bei der Passion noch abgewendet werden kann. Daraufhin folgt aber die Einwilligung für das Unabwendbare. Daraus leiten wir die Worte ab «dein Wille geschehe», die wir auch heute noch im Vaterunser immer wieder beten. Diese Geschehnisse in Getsemani zeigen das Urvertrauen, das Jesus seinem Vater entgegenbringt. Auch in der grössten Bedrängnis vertraut er auf Gott, seinen Vater. Diese Szene in Getsemani ist berührend und sinnstiftend zugleich.
Im Religionsunterricht fragen Kinder und Jugendliche immer wieder, warum Jesus geblieben und nicht geflohen ist in seiner Angst. Auf diese Frage können wir keine klare Antwort geben, denn wir wissen es nicht. Aber vielleicht sind diese Fragen für unser Leben als Erwachsene ein Hinweis. Wir können unsere Ängste aus dem Alltag nicht mit dem Todeskampf vergleichen, den Jesus erleiden musste, aber auch in unseren Ängsten und Sorgen können wir uns daran erinnern, die Hoffnung nicht aufzugeben. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott bei uns ist und uns begleitet, auch in diesen Momenten, in denen wir voller Angst sind.
Annina Schmidiger Spielmann, Religionspädagogin RPI