
Ankerpunkte
Die Ankerpunkte bieten eine besondere Art des Gottesdienstes. Statt einer Predigt durch Seelsorgende, sprechen Menschen aus dem Volk – über ihre Werte, Erfahrungen, Inspirationen und Ängste. Vor allem teilen sie ihre Ankerpunkte, also das, was ihnen in schwierigen Zeiten Halt gibt. Sie öffnen sich persönlich vor der Gemeinde, begegnen uns auf Augenhöhe und fördern so Verständnis und Respekt. Ob Unternehmer oder Politiker, Randständige oder bekannte Persönlichkeiten, Arzt oder Physiker, Jugendliche oder Eltern, Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund – alle sind eingeladen, ihre Geschichte zu teilen.
Marianne Jeger hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und erzählt uns, wie dieser sie in ihrem ganzen Leben begleitet hat. Einerseits in ihrer Rolle als Juristin und Oberrichterin. Andererseits auch in ihren aktuellen Engagements, beispielsweise im Gefängnis. Sie spricht auch über den Unterschied zwischen "Recht" und "Gerechtigkeit" und welche Rolle die Moral und die eigenen Werte dabei spielen. Wir spüren, weshalb es ihr immer wichtig war, sich selbst und ihren Werten treu zu bleiben.
Mirjam Sinniger ist Gründerin des Hilfswerks "Jokko Casamance", welches im Senegal beeinträchtigten Menschen hilft, Einkommen zu generieren und sich wieder in die Gesellschaft eingliedern zu können. Aus einer tiefen Bindung zum Land und der Erkenntnis, dass in Afrika beeinträchtigte Menschen mit grossen zusätzlichen Herausforderungen zu kämpfen haben, hat sie sich mutig - und zu Beginn vielleicht etwas blauäugig - in dieses Abenteuer gestürzt. Sie hat bereits einen Container voller Hilfsgüter überbringen können und baut nun das Atelier im Land selbst auf.
Edmond Egethoe ist ein junger Diakon, der sich für den Weg zur Priesterweihe entschieden hat. Er erzählt, weshalb es für ihn ein guter Weg ist, obschon viele Zeichen dagegen sprechen und viele Menschen es kaum verstehen können. Edmond ist von einem tiefen Glauben und einer Zuversicht geprägt, die man ihm regelrecht ansieht und er versucht, dies in all seinen Funktionen auch zu leben. Im Gespräch mit Anita Panzer gibt er offen und ehrlich Antwort auf die vielen Fragen.
Mathias Schüz - Physiker, Philosoph, Ethiker, Unternehmer, Berater, Author und Professor an verschiedenen Hochschulen - erzählt darüber, weshalb es wichtig ist, Ethik im Alltag ständig anzuwenden. Ethik ist ein philosophisches Konstrukt, hat aber sehr viel mit Religion zu tun. Er erklärt auch, weshalb seiner Meinung nach Religion und Wissenschaft keinesfalls ein Gegensatz sein muss - sondern sich wunderbar ergänzen. Ein spannendes Gespräch, das mit einer kurzen Meditation abgerundet wurde. Ankerpunkt einmal anders.
Thomas Studer, Revierförster und Kantonsrat, erzählt über seine grosse Leidenschaft: Den Wald. Er beschreibt die positive Wirkung des Waldes auf den Menschen und wie der Wald genutzt werden kann, ohne negative Spuren zu hinterlassen und somit das Beste für Mensch und Wald herauszuholen. Seine Freude und die Liebe zur Natur kann man geradezu spüren und jedem wird bewusst, welchen Wert eine gesunde Natur für die Gesellschaft hat.
Alt-Nationalrat Felix Wettstein erzählt in diesem Ankerpunkt, wie seine Kindheit sein Wertesystem geprägt haben und weshalb dies für ihn auch heute immer noch zentral ist. Er spricht über Wertschätzung - gegenüber anderen, aber auch gegenüber sich selbst - und was dies in seinem Beruf und in der Politik bedeutet hat.
Valérie de Montmollin ist Mutter, Unternehmerin, Sängerin und Autorin. Im Gespräch erzählt sie offen von ihrem Leben – und von Erfahrungen, die tiefe Spuren hinterlassen haben. Von einer schwierigen Kindheit, in der sie sich im eigenen Elternhaus nie wirklich willkommen fühlte. Von einer Ersatzfamilie, die ihr Geborgenheit geben sollte, und einem Onkel, der sie dabei über zehn Jahre sexuell missbrauchte. Und später von einer Beziehung, die zunehmend toxisch wurde und aus der es für sie dennoch sehr schwer war, sich zu lösen. Wie lebt man mit solchen Erfahrungen weiter? Wie verarbeitet man sie? Warum wehrt man sich nicht – oder warum gelingt es einem so lange nicht, sich aus einer zerstörerischen Situation zu befreien? Und woher nimmt man die Kraft, trotzdem weiterzugehen? Über all das sprechen wir mit Valérie de Montmollin. Ihre persönliche Antwort darauf trägt zugleich den Titel ihres Buches: «Ich mache einfach.»
Im Alter von zehn Jahren verlor Simon seine Mutter an einer schweren Krankheit und ein Jahr später seinen Vater bei einem tragischen Unfall. Viele Kinder würden daran zerbrechen, doch Simon entwickelte sich zu einem bemerkenswerten jungen Mann. Dazu beigetragen hat sicher das grosse Engagement der Familie, die Simon und seinen jüngeren Bruder im Elternhaus betreut haben. Zudem hatte Simon eine Gruppe von sehr engen Freunden um sich, die ihn getragen haben – bis heute.
Anstatt sich von der Trauer überwältigen zu lassen, hat er seine Energie in die Ausbildung gesteckt. Die Schule bereitete ihm nicht grosse Schwierigkeiten und nach einem erfolgreichen Lehrabschluss absolvierte er noch ein zusätzliches Studium. Er beschreibt sich als optimistisch, loyal und gerecht.
Heute ist Simon 25 Jahre alt, hat einen Bachelorabschluss als Wirtschaftsingenieur, ist engagiert und reist gerne in fremde Länder. Im Moment absolviert er gerade seinen Zivildienst und macht Zukunftspläne. Im Ankerpunkt spricht er darüber, wie er die Verluste erlebt hat, was seine Bewältigungsstrategie war, inwiefern seine jetzige Haltung dadurch beeinflusst wurden – und was seine Wünsche für die Zukunft sind.
Was hilft uns, in Zeiten von physischen oder psychischen Schmerzen wieder Mut zu fassen und neue Hoffnung zu schöpfen? Mit dieser Frage sah sich die Theologin und Autorin Debora Sommer in den vergangenen 12 Jahren konfrontiert, nachdem sie durch eine Verletzung von drei Nervenwurzeln im Lendenbereich der Wirbelsäule zur Schmerzpatientin geworden war. Mitten im Schmerz hat sie sich in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Suche nach Hoffnungsschimmern gemacht. In ihrem Buch Halt finden – wenn der Körper schmerzt und die Seele weint, hat sie viele ihrer Erfahrungen festgehalten. Auf der Suche nach Halt und Hoffnung wurde ihr auch der Glaube an Jesus Christus und Gottes Wort als Quelle der Lebenskraft und des Trostes neu kostbar. Daher liegt es ihr auf besondere Weise am Herzen, von Schmerzen betroffene Menschen zu ermutigen, die neue Hoffnung brauchen.
Doch auch die Frage des Miteinanders bewegt. Wie kann es gelingen, dass das Erleben von Unverständlichem eine Gemeinschaft nicht entfremdet oder gar entzweit, sondern dass Schmerzliches bestenfalls zur Chance für ein erneuertes Miteinander wird? Es setzt voraus, dass wir uns dem, was in unseren Herzen vor sich geht, ehrlich stellen. Dass wir uns nicht hinter Schutzmauern und Masken verstecken, sondern mutig unsere Verletzlichkeit mit anderen teilen und so berührbar bleiben, mit allen Risiken, die damit verbunden sind. Nur so sind Herzensbegegnungen möglich. Denn ohne Herzensbegegnungen ist es schwierig, wahre Gemeinschaft zu leben.
Romano Mombelli, geboren 1992 in Solothurn, doktoriert in Deutscher Literaturwissenschaft an der Universität Bern. Neben seinem Doktorat arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf. Wenn er sich nicht gerade hinter Büchertürmen und Stapeln von alten Handschriften befindet, wagt er sich als Extremschwimmer in die endlosen Weiten des Ozeans. Seinen ersten Erfolg im Freiwasserschwimmen erreichte er mit dem Durchschwimmen der Strasse von Gibraltar im April 2014. Einen Namen in der Schwimmszene machte sich Mombelli mit dem Weltrekord bei der Durchquerung der Strasse von Bonifacio (Korsika – Sardinien) und der ersten nonstop Längsquerung des Vierwaldstättersees von Flüelen nach Luzern. Für seine aquatische Leistung im August 2023 – der Überquerung des Ärmelkanals – wurde er im Mai 2024 mit einem kantonalen Sport Award, verliehen durch den Solothurner Regierungsrat, ausgezeichnet. Im vergangenen Sommer 2024 umrundete der Solothurner schwimmend Manhattan – eine Distanz über 49.5 km – in 8 Stunden und 14 Minuten.
Romano musste in seiner Schwimmlaufbahn auch immer wieder Rückschläge hinnehmen: Hospitalisierung aufgrund lebensgefährlicher Quallenverbrennungen im Gesicht, einseitige Lähmungserscheinungen aufgrund des Gifts der Portugiesischen Galeere, Hypothermie im Ärmelkanal oder den schmerzlichen Tod seines langjährigen Trainers und Freundes Benjamin Gerone. Romano hat sich nach den Tiefschlägen immer wieder aufgerappelt, persönliche Schlüsse aus den Ereignissen gezogen und einen positiven Zukunftsblick bewahrt – dank seinen Ankerpunkten, die das stabile Fundament seines Lebens bilden.
Anita Hintermann ist seit 2017 die Gefängnis-Seelsorgerin von Solothurn. Sie begegnet tagtäglich Menschen, die eine Straftat begangen haben. Manchmal kleine, manchmal ganz unbeschreiblich schlimme. Diese Menschen büssen jeden Tag dafür - sie sind Täter, sie sind Gefangene. Aber sie sind immer auch Menschen. Ohne Vorurteile begegnet Anita ihnen und ist offen für Gespräche aller Art. Von den einfachen, alltäglichen Fragen bis hin zu tiefgründigen. Mit ihr können die Gefangenen offen und ehrlich sein, sie sind unbeobachtet und ihr Verhalten wird nicht protokolliert. Anita erzählt über Fragen, die ihr gestellt wurden, über die Zweifel, die die Täter haben - und wie menschlich ihre Bedürfnisse sind.
Martin Arregger hat 25 Jahre lang mit Leidenschaft und Begeisterung für die Credit Suisse gearbeitet. Stets hat er an seinen Arbeitgeber geglaubt, war selbst in den stürmischsten Zeiten unerschütterlich loyal, trotzte immer wieder Widerständen und vertraute bis zum Schluss den Aussagen des Top Managements und blickte optimistisch in die Zukunft - um dann in einem zweiminütigen, emotionslosen Telefongespräch entlassen zu werden. Die Krise bis zum Kollaps der Bank hat er hautnah miterlebt. Er hatte direkten Kontakt zum Top Management der Bank und hat seine Loyalität mehrmals unter Beweis gestellt. Bis zuletzt hat er sich für seine Mitarbeitenden und Kunden eingesetzt und am Ende dennoch seinen Job verloren. Der Vertrauens- und Gesichtsverlust sitzen bis heute tief bei Martin. Er hat sich nach der Freistellung neu orientieren und gleichzeitig seinen Platz in der Gesellschaft «ohne Job» suchen müssen. Während dieser Zeit haben ihm seine Familie und sein Freundes- und enger Mitarbeiterkreis den notwendigen Rückhalt gegeben. Er hat seine Zuversicht nie verloren und war bereit, auch persönliche Zugeständnisse für die berufliche Zukunft seines Teams zu machen. Heute arbeitet er als Co-Head Mittelland bei der Privatbank Vontobel in Bern. Im Gespräch mit Monika erzählt er, wie er diese schwere Zeit erlebt hat und welches seine Ankerpunkte waren.
Evelyn Arn Junker arbeitet seit 2014 bei BeUnlimited - eine Organisation, die sich um Frauen und Kinder kümmert, welche sexuellen Missbrauch erlebt haben. Sei sie mit 19 Jahren in Kenia ein Praktikum gemacht hat, engagiert sie sich beruflich mit Menschen, die Schweres durchgemacht haben und Unterstützung bei der Verarbeitung dessen benötigen. Als sie im Jahr 2024 nach langem Warten endlich ein Haus in Solothurn beziehen können geschieht etwas Furchtbares: Durch eine Fehlschaltung entsteht ein Brand - und der ganze obere Teil ihres neu bezogenen Hauses steht in Flammen. Wie sie damit umging, wie sie in ihrer Not unterstützt wurde, welches die Ankerpunkte in dieser schwierigen Zeit waren und was sie daraus gelernt hat, teilt sie mit uns an diesem Ankerpunkt Gottesdienst.
Luemba Ne Kongo ist ein Mann, dessen Glaube ihn durch die dunkelsten Täler getragen hat. Geboren in einer katholischen Familie in der Demokratischen Republik Kongo, studierte er Pädagogik und ging ins katholische Priesterseminar. Doch eine innere Krise stellte alles infrage. Er verließ das Kloster – und wandte sich der Medizin zu. Er gründete eine Familie – aber das Leid seines Volkes in einem Land voller Reichtürmer schrie zum Himmel. Er konnte nicht länger schweigen - woraufhin die Regierung auf ihn aufmerksam wurde. Luemba wurde verfolgt und floh. 2008 kam er in die Schweiz. Sieben Jahre lebte er im Ungewissen, dann erhielt er den F-Ausweis. Er arbeitete als Lehrer, Kellner, Platzwart auf Tennis- und Golfplätzen. Seit Juli 2022 hat er einen festen Job. Luemba hat drei wunderbare Kinder, die heute 18, 17 und 15 Jahre alt sind. Sein Glaube ist sein Kompass. Seine Kraft.
Manuela Flury führt das Pilates Studio Shambala und bietet seit 10 Jahren "Rückbildung für Mütter von Sternenkindern" an. Sie erzählt uns, wie sie dazu gekommen ist, was der Tod für sie bedeutet, wieso er in ihren Augen hell ist und nicht dunkel, und wie die geliebten Menschen, die bereits gegangen sind, immer noch am Leben teilhaben können. Sie erklärt dies anhand von vielen persönlichen Erfahrungen und Geschichten.
Adrian Bolzern ist seit 2014 Seelsorger für die reisende Gemeinschaft - das sind alle Circusleute, Schausteller und Marktfahrer. Er begleitet sie in all ihren Lebensphasen. Ein aufregender Alltag, der nie gleich ist und in der ganzen Schweiz stattfindet. Adrian fährt jährlich rund 40'000km, um bei seinen Gemeinden sein zu können. Trotz viel Humor und Showbusiness beeinddruckt ihn der geerdete Glauben seiner Gemeinschaft sehr.
- 14. Januar 2024 - Birgitta Aicher Stellenleiterin der Fachstelle Religionspädagogik Kanton Solothurn
- 18. Februar 2024 - Stephan Oberli Leiteter Discherheim, Solothurn
- 14. Januar 2024 - Birgitta Aicher Theologin
- 26. November 2023 - Dieter Bedenig Physiker
- 29. Oktober 2023 - Bettina Brand-Bergh Juristin
- 25. Juni 2023 - Anita Panzer Unternehmerin und Politikerin
- 21. Mai 2023 - Gertrud Rüdlinger Mitarbeiterin im Projekt developement+
- 09. April 2023 - Jean-Marc Probst Ingenieur
- 19. März 2023 - Martin Brennikmeijer Unternehmer
- 27. November 2022 - Monika Vollmer engament Nachhaltigkeit und Impact
- 30. Oktober 2022 - Simon Michel Unternehmer und Politiker
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25. Oktober 2026 - mit Andrea Bürgi, Leiterin Hospiz Solothurn
15. November 2026 - mit Monika Vollmer, Unternehmerin Nachhaltigkeit